Wenn der Weg das Ziel ist

Schritte hallen gedämpft wieder.
Gedämpft vom noch feuchten Feldweg nach langem Regen.
Die Luft ist kühl.  Sie trägt meine Hitze weg von mir. Kühlt mich ab.
Ich atme sie tief ein. Immer im gleichen Rhythmus. Sauge die Energie aus ihr, und nehme sie vollstens in mir auf.

Meine Beine arbeiten wie eine Maschine.  Bringen mich immer weiter weg. Meter um Meter.  Kilometer um Kilometer.
Meine Gedanken liegen in einer Hängematte und lassen sich versonnen schaukeln. Mein Kopf scheint frei und weit zu sein.
Eine Stille umgibt mich.  Folgt mir auf jeden Schritt. Hüllt mich ein.

Um mich herum surrt und rattert die Welt.  Traktoren auf Feldern. Transporter und Maschinen gehen ihrer Arbeit nach.
Pferde laufen auf der Weide ein  Stück mit uns. Skeptisch gegenüber der Frau mit dem Buggy.

Dabei begann der Tag so laut, unruhig.  So unausgeglichen. So müde.
Soooo ‚och neee,  ich mag nicht laufen gehen! ‚.
„Dabei ist so schönes Wetter.  Und wenn du nur 4-5 km läufst? “
Der Kommentar der Nachbarin bringt mich dorthin wo ich jetzt bin.
In diese vollkommene Stille,  um mich herum. Ebenso wie in mir drin.
Meter um Meter.  Kilometer um Kilometer.
Ich kann nicht aufhören.  Will immer mehr.
Finde neue Wege.  Und gehe,  nein, laufe sie.

Mit Miu im Buggy eine neue Erfahrung. Diese neue Distanz.
Und plötzlich will ich es wissen. Kann ich es schaffen?
Meine Gedanken überschlagen sich.  Kann ich? Bin ich soweit? Gestern erst hab ich mein Halbmarathon Training geschmissen. Nach 2 Wochen Training. Und jetzt? Jetzt kommt die Kämpferin hervor.
Kilometer um Kilometer.
Es fällt mir leicht Fuß vor Fuß zu setzen.

Das Lächeln in mir wächst. Ich bin euphorisch.
Die Anspannung wächst.  Nur noch ein Kilometer. Werde ich durchhalten?
Und dann kommt der Schweinehund. Exakt 300m vor der vollendeten Halbmarathon Distanz.
Er zerrt an mir. Will mich zermürben.
Doch er schafft es nicht.  Denn den Weg zum Ziel,  ob ich ihn gehe,  oder laufe und schneller ankomme,  das hätte keinen Unterschied gemacht.

Ich habe heute meinen ersten Halbmarathon gefinisht. Nicht bei einem Event.  Nur ganz allein für mich. Ganz privat.
Bei einem Halbmarathon Wettbewerb teilnehmen? Das wird noch dauern. Wenn mein Sonnenscheinchen Miu älter ist,  stehen alle Möglichkeiten offen.

Wenn ich an meinem Lauf von heute früh denke,  sehe ich,  dass dieser sehr meinem Leben ähnelt.
Ich habe nie einen Plan.  Nie. Was ich hingegen habe,  sind Ziele. Wie ich an mein Ziel gelange?  Ich geh einfach meinen Weg. Holprig,  matschig,  nie gerade aus.
Was mir das bringt? Wenn ich nie einen geraden Weg zum Ziel verfolge?
Viel!  Ich sehe mehr.  Ich lebe intensiver. Lerne Hinfallen , und Aufstehen.
Ich sehen wo der Mohn lila blüht.

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An mein Ziel bin ich immer gekommen. Auf den schönen Wegen.

Eure Polarbärin

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2 Kommentare zu „Wenn der Weg das Ziel ist“

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