Meine Medaille – die ‚andere‘  Seite 


4 Uhr in der Früh.  Ich liege halb wach,  halb schlafend in meinem Bett und lausche. Lausche in die Stille.  Ich bin frustrierend.  Habe gerade mal 2 Stunden am Stück geschlafen.  Seit Wochen und Monaten leide ich unter Schlafstörungen. Dabei schläft Miu seine Nacht fast immer durch. 

Meine Gedanken surren ihr unermüdliches Lied.

Die Traurigkeit überkommt mich und verbündet sich mit der stehten Müdigkeit. 

Und ich lausche der Stille, mit geschlossenen Augen.

Ich könnte noch schlafen! Ich sollte dringend noch schlafen. 

Und ab diesen Gedanken, höre ich, auf was ich gewartet habe.

Miu’s verschlafene „Mamaaaa?!“ Ich ärgere mich , dass ich nicht noch etwas geschlafen habe. 

Da wir zur Zeit frei haben,  leg ich mich zu ihm in sein Bett und kuschel mich an ihn. So schlafen wir noch bis kurz nach 5,oder mal 6 Uhr.

Ich bin dankbar für jede Minute,  die wir noch schlafen können.  Wenn ich arbeiten gehe, müssen wir ab hier aufstehen. 

Dann heißt es aufstehen,… Töpfchen, Medikamente geben, inhalieren, Mama nebenbei auch auf Toilette,  dann Kaffee und Tee kochen, Tisch decken,  Trinken zu Miu bringen, der hoffentlich artig auf dem Töpfchen sitzt und malt oder seine Bücher ansieht.  Zeit,  die seit dem Aufstehen vergangen ist?!,  ca 15min.

Durchatmen und… War ich vorhin noch müde?

Anziehen Miu, duschen und dann anziehen Mama während Miu die Duschkabine auf und zu macht, und ich nebenbei abgehärtet werde. Wie gern würde ich mal in Ruhe ausgibt eine Stunde lang unter der Dusche stehen und das heiße Wasser auf der Haut spüren. Alle Gedanken,  Ängste und Sorgen abspülen. 

Ich dusche  ca 5min im kalten. Abtrocknen,  eincremen,  anziehen. Weiter geht’s. 

Rein in die Sachen, tausend Sachen aus Miu’s Händen nehmend geht es weiter. Er muss ein Tintenfisch-Gen haben,  oder wie kann es sein,  dass er mehr Dinge an sich reißen kann,  als ich ihm abzunehmen vermag?!

Frühstück,  eine kleine Ruhepause. Meinen ersten Kaffee trinke ich dennoch Stunden später, natürlich eiskalt. Meistens erst gegen mittag oder nachmittag. Es fehlt nicht die Zeit,  die kann man sich nehmen.  Es fehlt einfach an Ruhe. 

Miu Zähne putzen, Hände und Gesicht waschen, während er Tango auf dem Hocker vorm Waschbecken tanzt…..

Miu liebt Geschwindigkeit.  Er geht nicht, er rennt.  Den ganzen Tag. In den Kurven wird abgebremst, die Richtung gewechselt und weiter gerannt. Immer Vollgas.

Immer mit Geblubber und Lachen. Er redet wie ein Wasserfall. Will alles wissen. Alles haben und untersuchen.

Ich komme kaum noch zum Wort. Mein Kopf dröhnt,  ist müde.  Will abschalten. Die traurigen Gedanken sind alles was da noch Platz findet. Und dennoch lächle ich. Den ganzen Tag. 

Selbst beim malen blubbert er ununterbrochen vor sich hin.  Erklärt mir ganz genau welches ein Auto, oder ein Baum ist.

Bekomme ich in mal zu fassen,  oder er möchte zu mir auf den Arm,  dann drück ich ihn an mich. Und da verliert jede Hektik ihr Tempo.  Die Zeit entschleunigt sich,  verlangsamt sich. Bis zum Stillstand.  Dann merk ich sein pochendes Herz, rieche seinen Duft und wuschel ihm durch die Haare. (Tränen steigen in mir hoch. Ich bin so stolz auf ihn,  doch niemand ist da,  mit dem man dieses glückliche Gefühl teilen kann.) Bis in der nächsten Minute die Zeit wieder an Fahrt aufnimmt und das Leben den Stillstand schon vergessen lässt.

Wir singen, lachen, malen, lesen vor und studieren Bücher…..

Untersuchen den Garten hinterm Haus,  und warum Mama auf die große Toilette geht,  anstatt auf das Töpfchen. In den letzten Tagen darf ich allein Aah Aah machen gehen, immerhin. 

Unser Tag ist im Laufschritt-Tempo. Wir lieben es. Wir gönnen uns um sehe Zeit zusammen.  Denn nächste Woche gehen wir wieder los.. Er in den Kita, und ich zu den Löwenkindern. Weniger Zeit zusammen,  weniger Lachen zusammen,  von allem weniger. Nur von der Traurigkeit nicht,  die nimmt zu. Sorgen (was,  wenn mir was zustößt? ) ,  Fragen (mach ich alles richtig? ,  geht es ihm gut? ,  . . . Aber auch: wer will schon so 2 ‚wilde‘  wie uns? ) und andere tausende Gedanken nutzen jeden Schlupfwinkel in der Zerstreuung um ans Tageslicht zu kommen. 

Ich bin kein Single Typ.  Ich hatte immer Angst Alleinerziehende zu werden,  und doch ahnte ich,  dass es kommen wird. 

Ich nehme es hin,  und liebe mein Leben mit meinem Sonnenschein Miu. 

Wir sind wild,  und doch leben wir auch die ruhigen Momente.

Ich bin dauermüde, etwas unkonzentriert, etwas zu mürrisch, etwas zu wenig Ruhe für Kaffee und Dusche….

…… doch,  all das ist egal, denn jede Medaille hat ja bekanntlicher Weise zwei Seiten.

Eure Polarbärin

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