Meine Medaille – die schöne Seite 


4 Uhr in der Früh.  Ich liege halb wach,  halb schlafend in meinem Bett und lausche. Lausche in die Stille.

Meine Gedanken surren ihr unermüdliches Lied.  Doch ich bin zu müde um ihnen Ruhe zu befehlen, um ihnen auch noch zu lauschen.

Also surren sie.

Und ich lausche der Stille, mit geschlossenen Augen.

Ich könnte noch schlafen.  Und ab diesen Gedanken, höre ich, auf was ich gewartet habe.

Miu’s verschlafene „Mamaaaa?!“

Da wir zur Zeit frei haben, leg ich mich zu ihm in sein Bett und kuschel mich an ihn. So schlafen wir noch bis kurz nach 5, oder mal 6 Uhr.

Dann heißt es aufstehen,… Töpfchen, Medikamente geben, inhalieren, Mama nebenbei auch auf Toilette,  dann Kaffee und Tee kochen, Tisch decken,  Trinken zu Miu bringen, der hoffentlich artig auf dem Töpfchen sitzt und malt oder seine Bücher ansieht. Zeit, die seit dem Aufstehen vergangen ist?!,  ca 15min.

Anziehen Miu, duschen und dann anziehen Mama,  während Miu die Duschkabine auf und zu macht, und ich nebenbei abgehärtet werde.

Rein in die Sachen, tausend Sachen aus Miu’s Händen nehmend geht es weiter.

Frühstück,  eine kleine Ruhepause. Meinen ersten Kaffee trinke ich dennoch Stunden später, natürlich eiskalt.

Miu Zähne putzen, Hände und Gesicht waschen, während er Tango auf dem Hocker vorm Waschbecken tanzt…..

Miu liebt Geschwindigkeit.  Er geht nicht, er rennt.  Den ganzen Tag. In den Kurven wird abgebremst, die Richtung gewechselt und weiter gerannt. Immer Vollgas.

Immer mit Geblubber und Lachen. Er redet wie ein Wasserfall. Will alles wissen. Alles haben und untersuchen.

Ich komme kaum noch zum Wort.

Selbst beim malen blubbert er ununterbrochen vor sich hin.  Erklärt mir ganz genau welches ein Auto, ein  Ball, der Weihnachtsmann oder ein Baum ist.

Bekomme ich in mal zu fassen,  oder er möchte zu mir auf den Arm,  dann drück ich ihn an mich. Und da verliert jede Hektik ihr Tempo.  Die Zeit entschleunigt sich, verlangsamt sich. Bis zum Stillstand.  Dann merk ich sein pochendes Herz, rieche seinen Duft und wuschel ihm durch die Haare. Bis in der nächsten Minute die Zeit wieder an Fahrt aufnimmt und das Leben den Stillstand schon vergessen lässt.

Wir singen, lachen, malen, lesen vor und studieren Bücher…..

Untersuchen den Garten hinterm Haus,  und warum Mama auf die große Toilette geht,  anstatt auf das Töpfchen.

Unser Tag ist im Laufschritt-Tempo. Wir lieben es. Wir gönnen uns  unsere  Zeit zusammen.  Denn nächste Woche gehen wir wieder los.. Er in den Kita, und ich zu den Löwenkindern.

Wir sind wild,  und doch leben wir auch die ruhigen Momente.

…… Doch jede Medaille hat zwei Seiten.

Eure Polarbärin

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